Endlich wieder Balance in der Debatte

Ein Beitrag, der endlich wieder Balance in die Debatte bringt. In den letzten Wochen war die öffentliche Diskussion rund um Birstein stark von einseitiger Berichterstattung und populistischen Zuspitzungen geprägt. Viele wichtige Aspekte wurden verkürzt dargestellt oder komplett ausgeblendet – und genau deshalb sticht der Artikel von Philipp Franz so positiv heraus.

Er zeigt, dass man komplexe Themen wie kommunale Finanzen, Infrastruktur, Modernisierung und demokratische Entscheidungsprozesse auch ohne Panikmache und ohne parteipolitische Tiefschläge beleuchten kann. Statt Schlagzeilen liefert er Einordnung. Statt Stimmungsmache liefert er Fakten. Statt Polarisierung liefert er demokratische Haltung.

Für mich ist dieser Artikel ein Beispiel dafür, wie verantwortungsvoller Journalismus aussehen sollte – gerade in Zeiten, in denen laute Parolen oft die sachlichen Stimmen übertönen. Ein Dank an den Autor für den Mut zur Objektivität und zur demokratischen Perspektive, die in der aktuellen Berichterstattung viel zu selten vorkommt.

aus der GNZ vom 11.07.2026

Jetzt haben wir den Salat.

Das Rechenzentrum wurde durch die Abstimmung für den städtebaulichen Vertrag am Donnerstag, dem 11.06.2026 in der Gemeindevertretung beschlossen.

Ich habe mit vielen Menschen gesprochen und mir viele Meinungen angehört. Meinungen, die glühend für das Rechenzentrum sprachen, solche die ausgeglichen waren und solche, die strikt dagegen waren.

Ich war bei 2 von 4 Sitzungen der Arbeitsgruppe Rechenzentrum dabei und habe lange nachgedacht – hin und herüberlegt, was das Richtige für uns als Bürger von Birstein ist. Ich bin nun in der dritten Legislaturperiode für die Freie Bürgergemeinschaft Birstein in der Kommunalpolitik tätig. 10 Jahre war ich Mitglied der Gemeindevertretung und bin nun als Beigeordneter Teil des Vorstandes. Hier habe ich kein Stimmrecht mehr in der Gemeindevertretung, die das ausführende Gremium, die Exekutive der Gemeinde Birstein ist.

Von Anfang an fand ich es merkwürdig, dass eine Gemeinde nahezu alle Ihre Investitionen über den Geldbeutel der Bürger – also über Einnahmen aus steuerlichen Abgaben – finanziert. Ich bin es aus Privatleben und Berufstätigkeit gewohnt, nur das Geld zur Verfügung zu haben, dass ich selbst erwirtschaftet habe. Nun, ich habe mir eine Denkbrücke geschaffen und die Gemeinschaft – also die Bürger der Gemeinde – als die Versammlung der Shareholder – vergleichbar zu einem Betrieb – anzusehen. Die Shareholder sind die Anteilseigner eines Unternehmens.

Das heißt, die Arbeit, die ich als Gemeindegremium tue, wird zum Wohle des Unternehmens (also der Gemeinde) und zur Erlangung von Profit geleistet. Profit darf aber in einer Kommune nicht nur als monetärer Vorteil gelten, sondern muss auch als Bewahrung und nach Möglichkeit Verbesserung des Lebensstandards für alle Shareholder, also alle Bürger gesehen werden. Letztlich kostet diese Aufgabe auch Geld.

Das heißt, es wird Geld benötigt, um das Unternehmen kostendeckend zu betreiben.

Es wird Geld benötigt, um den Lebensstandard der Mitbürger zu halten, besser noch, zu optimieren. Bleibt hier etwas übrig, kann den Shareholdern eine Dividende ausgezahlt werden. Das sehe ich als zusätzliche Leistungen, die die Gemeinde zur Verbesserung der Lebensqualität in der Gemeinde nutzen soll, oder um Rücklagen zu bilden, um einen stabilen Haushalt zu gewährleisten.

Es wird kein Unternehmen geben, dass auf Dauer die Shareholder um höhere Beitragszahlungen bittet, wenn die Projekte und Vorhaben unprofitabel sind. „Profit“ hatte ich bereits weiter oben in diesem Kontext für mich definiert. Daher müssen die Projekte sinnvoll sein, über umsetzbare Finanzierungskonzepte verfügen, effizient geleitet und im Zweifelsfall richtig gelenkt werden. Das hat meines Erachtens in der Vergangenheit nur sehr bedingt funktioniert.

Zurück zu meinem Dilemma:

Wie positioniere ich mich im Thema „Rechenzentrum“? Einerseits war ich immer dafür, dass die Gemeinde die Finger vom Geldbeutel der Menschen lässt, andererseits bedeutet das Rechenzentrum, dass ein unschönes Bauwerk am Ortsrand der Kerngemeinde entsteht.

Bei einem Bauwerk dieser Ausmaße, gibt es sehr viele Unbekannte. Welche unmittelbaren Vorteile bringt es für mein Unternehmen – also die Gemeinde und somit für alle „Shareholder“?

Welche Nachteile gibt es und vor allem, welche Gefahren birgt es womöglich gegenüber dem Wohlbefinden jeglicher Art für die Mitbürger selbst? Fluch und Segen für die Shareholder?

Die Vorteile stellen sich nach vielen Stunden der Durcharbeit aller gesammelter Fakten und Informationen und deren Abwägung nach bestem Wissen und Gewissen als echte Chancen dar. Es gibt direkte Benefits, wie einen zwar zweckgebundenen Wärmeenergiefonds, der gesichert Geld in die Gemeindekassen spülen wird (lassen wir die Höhe und Verhältnismäßigkeit zum Gewinn der Rechenzentrumsbetreiber und Finanzierer hier einmal außen vor). Dieser Fonds entlastet die Kassen, aber rettet sie nicht.

Weiterhin gibt es die Chance auf einige Arbeitsplätze, die gemessen an der Dimension des Rechenzentrums sich als eher wenig darstellen, aber im Vergleich zu anderen Arbeitgebern der Region wohl nicht zu unterschätzen sind.

Es gibt mittelbar mögliche Chancen, die sich immer für eine Kommune ergeben, wenn sich ein neues Business niederlässt. Das geht über Zuarbeit, Versorgung und Lieferanten, über Kaufkraftgewinne und Grundstücksverkäufe, bis hin zu möglichen Sanierungen von Leerständen und somit der Beseitigung lange diskutierter „Schandflecke“ in der Gemeinde.

Es gibt aber auch Nachteile.

Im schönen Tal, wo ich gerne spazieren ging und man weit schauen konnte – bis zum Hoherodskopf – wird ein Betonklotz aufgebaut, dass uns viele Jahre begleiten wird. Ich habe bedenken, dass die Regularien, Gesetze und Vorschriften, denen ein solches Bauwerk unterliegt, ausreichen, um sicherzustellen, dass mir und meinen Mitmenschen kein Nachteil in der Lebensqualität unserer ländlichen Idylle entsteht. Wie weit wird es uns objektiv beeinträchtigen. Subjektiv wird selbstverständlich jede Kleinigkeit außerhalb der Idealerwartung als störend empfunden werden – das steht außer Frage. „Ich habe es doch gleich gesagt“, „das war doch klar“, „Ihr wolltet es, das haben wir nun davon“, wird möglicherweise aus allen Seiten erschallen. Man konnte und kann es nicht vorher wissen, denn wird es dann doch besser als erwartet, werden diese Stimmen nicht aufkommen, aber auch keine Stimmen, die sagen „alles ist gut“, „es bringt uns tatsächlich Wohlstand“, „wir haben alles richtig gemacht“, wird wohl keiner proklamieren.

Was ist nun richtig – was falsch? Wir werden es in einigen Jahren wissen. Ich – für meinen Teil – weiß es auch nicht. Wie ich abgestimmt hätte? Vermutlich hätte ich die Entscheidung davon abhängig gemacht, noch weitere konkrete Aussagen zu erhalten, die selbstverständlich nichts an den Erfahrungen ändern werden, die wir erst in einigen Jahren haben werden – so oder so.

Letztendlich hätte ich wohl mit schwerem Herzen und schlechtem Gewissen doch zugestimmt. Nicht am Donnerstag, dem 11.06.2026, aber womöglich nach Vorlage weiterer Absichtserklärungen der Verantwortlichen.

„Mein Server steht im Keller, das ist sicherer!“ Warum dieser Mythos KMU gefährdet

„Das haben wir schon immer so gemacht, und da weiß ich wenigstens, wo meine Daten liegen.“ Diesen Satz hört man in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) oft, wenn es um den eigenen Serverraum geht. Physischer Besitz fühlt sich eben nach Kontrolle an. Doch in einer Welt voller professioneller Cyber-Banden, Ransomware und mobiler Arbeit ist dieses Bauchgefühl ein gefährlicher Trugschluss. Die Realität ist ernüchternd: Der eigene Serverraum ist heute oft das größte Sicherheitsrisiko eines Unternehmens.

Echte Informationssicherheit ruht auf drei Säulen: Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit. Genau bei der Verfügbarkeit scheitern lokale Server im Keller oft krachend. Ein einfacher Wasserrohrbruch, ein lokaler Stromausfall oder ein gezielter Einbruch können ein KMU wochenlang lahmlegen. Moderne Cloud-Anbieter spiegeln Daten stattdessen spiegelbildlich über mehrere, physisch getrennte Hochsicherheits-Rechenzentren. Zudem investieren sie Milliarden in Heerscharen von Security-Spezialisten, die Bedrohungen rund um die Uhr in Echtzeit abwehren – ein personeller Schutzschild, den kein KMU im eigenen Keller finanzieren kann.

Der Wechsel in die Cloud bedeutet jedoch keineswegs, die Verantwortung blind abzugeben. Hier greift das Modell der geteilten Verantwortung. Wer reine Infrastruktur mietet (IaaS), bekommt vom Anbieter zwar die sichere Hardware gestellt, muss das Betriebssystem aber weiterhin selbst patchen. Nutzt man Plattformen (PaaS) oder fertige Software (SaaS), nimmt der Anbieter dem Kunden immer mehr lästige Wartungsarbeit ab.

Was viele Unternehmen dabei übersehen: Der digitale Schlüsselbund bleibt immer in der Hand des Kunden. Da Mitarbeiter heute im Homeoffice oder beim Kunden vor Ort arbeiten, hat die physische Kellertür als Schutzmauer ohnehin ausgedient. Die neue Verteidigungslinie ist die digitale Identität. Ein modernes Identity and Access Management (IAM) fungiert hier als cloudübergreifender Türsteher. Es sorgt mit Multi-Faktor-Authentifizierung und strengen, minimalen Rechtevergaben dafür, dass Angreifer selbst dann draußen bleiben, wenn sie ein Passwort erbeutet haben.

Bleibt die Angst vor dem Vendor Lock-in – der totalen Abhängigkeit von IT-Riesen wie AWS, Microsoft oder Google. Wer sich blind an proprietäre Spezialdienste eines einzigen Anbieters kettet, riskiert tatsächlich seine digitale Souveränität. Doch moderne Hyperscaler-Umgebungen bieten längst die Werkzeuge, um diese Fesseln zu sprengen. Clevere IT-Architekten verpacken Anwendungen heute in herstellerunabhängige Container via Kubernetes. Dadurch wird die Software vollkommen portabel und läuft auf Amazon exakt genauso sicher wie auf Azure oder auf einem eigenen Server. Kombiniert man dies mit dem Prinzip „Infrastructure as Code“ – bei dem die gesamte IT-Landschaft digital als Textdatei definiert wird –, lässt sich die komplette Firmen-Infrastruktur bei einem unvorhergesehenen Zwischenfall per Mausklick bei einem anderen Anbieter spiegeln.

Der Auszug aus dem eigenen Serverraum ist für KMU daher kein Kontrollverlust, sondern der Sprung auf ein professionelles Sicherheitsniveau. Statt wertvolle IT-Ressourcen mit dem Tauschen von Festplatten oder dem Warten von Klimaanlagen zu verschwenden, gewinnen Unternehmen die Agilität zurück, die sie für ihr Kerngeschäft brauchen. Die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr, ob die eigenen Daten im Keller sicherer sind, sondern ob man es sich strategisch überhaupt noch leisten kann, sie dort zu verstecken.

Payroll-Reduktion: Die personelle Unterdeckung der IT als Haftungsfalle

Die Nichtnachbesetzung von IT-Stellen in produzierenden Unternehmen wird oft als Kostendisziplin missverstanden, ist jedoch faktisch eine riskante Entscheidung über die Erhöhung des Ausfallrisikos. Die Verantwortung für die Betriebskontinuität (Business Continuity) liegt unübertragbar beim Management, nicht in der Ausführungsebene. Wer Ressourcen unter das funktionale Minimum kürzt, spart nicht, sondern delegiert die strategische Sicherheit an das Prinzip Hoffnung.

In einer vernetzten Fertigung führt personeller Mangel zur schleichenden Defragmentierung der Sicherheitsarchitektur. Wenn Kapazitäten nur noch für den bloßen Erhalt des Tagesbetriebs reichen, werden Patch-Management und die Härtung kritischer OT-Systeme zwangsläufig depriorisiert. Die IT mutiert vom Innovationstreiber zum Brandlöscher, während das technologische Risiko und die Angriffsfläche für Cyber-Akteure unkontrolliert wachsen. Ein Unternehmen, das sein digitales Nervensystem personell aushöhlt, verliert schleichend die Souveränität über seine Produktionsprozesse.

Ein erfolgreicher Angriff auf eine unterbesetzte Infrastruktur ist für einen Produktionsbetrieb existenzbedrohend. Ein chronisch überlastetes Team kann die hochkomplexe Wiederherstellung unter dem Zeitdruck eines Totalausfalls physisch nicht leisten. Über die massiven Stillstandskosten hinaus droht der Geschäftsführung eine persönliche Haftungsfalle: Versicherer und Behörden werten die systematische Unterbesetzung zunehmend als Organisationsverschulden. Echte kaufmännische Vorsicht bedeutet im digitalen Zeitalter nicht die Reduktion von Kopfzahlen, sondern die Sicherstellung der Resilienz des gesamten Wertschöpfungsprozesses.

Kommentar zum Thema „Respekt“

Ich möchte mich heute zu einem Kommentar in der GNZ, vom 28. März 2026, zum Thema „Respekt“ äußern. Der Kommentar wurde von einem Menschen geschrieben, den ich sehr schätze – umso mehr sehe ich mich in der Verantwortung zu reagieren, denn auch ich konnte aufgrund anderer Verpflichtungen nicht der Einführung des neuen und alten Bürgermeisters in Birstein beiwohnen.

Respekt bedeutet wertzuschätzen. Respekt bedeutet zuzuhören, zu diskutieren. In der Politik bedeutet Respekt vor allem, jeden anzuhören, der etwas zu sagen hat, Gleichberechtigung gegenüber allen Menschen, Gesinnungen, Meinungen und Sichtweisen.

Tatsächlich hat Respekt auch sehr viel mit Demokratie zu tun. Dem Recht aller, reden zu dürfen, wählen zu dürfen und seine Meinung äußern zu dürfen.

Respekt bedeutet über andere Meinungen nachzudenken und vielleicht sogar Kompromisse zu schließen und die eigene Einstellung zu Dingen in Frage zu stellen und immer und stetig zu prüfen.

Respektlos ist es, Redner, die in vielen Jahren bewiesen haben, dass das was sie zu sagen haben sinnvoll, intellektuell hochwertig, logisch und meistens richtig ist, süffisant im Stuhl zurücklehnend zu belächeln.

Es ist respektlos gegenüber der Öffentlichkeit sich für Projekte feiern zu lassen, die eben genau diese Öffentlichkeit – nämlich die Bürgerinnen und Bürger, denen man wohlwollend verpflichtet sein sollte – zur Kasse bittet, um die werbe- und wahlträchtigen Luftschlösser zu finanzieren.

Ich suche vergebens Respekt bei der Vergabe von langfristigen und kurzfristigen Aufträgen die eigennützig und auch hier einmal mehr wiederwahlfördernd und zugegebenermaßen parteipolitisch geschickt vergeben werden, ohne offizielle, faire und wohlwollend gleichberechtigte Prozesse einzuhalten und allen die Chance zu geben, eigene Angebote abzugeben, ohne zu prüfen, ob es noch weitere Unternehmer gibt, die gleiches womöglich besser, oder zumindest ebenso gut leisten könnten und ohne im Anschluss daran Preise und Angebote zu vergleichen.

Eine Gemeindespitze sollte gerade in der Kommunalpolitik und in unserer ländlichen Gemeinschaft bemüht sein, die Menschen die hier wohnen zu fördern, deren Lebensstandard zumindest zu sichern und alles dafür zu tun, die Bürgerinnen und Bürger nicht zu blenden und auf deren Kosten eigene Interessen zu verfolgen.

Das stellt mein Verständnis von Respekt dar.


Hier nun der originale Kommentar vom 28.03.2026:

Zwei Listen – ein Ziel? Warum Doppelstrukturen der Sache schaden

In der Kommunalpolitik zählt vor allem eines: das gemeinsame Engagement für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger. Umso irritierender ist es, wenn sich zwei politische Gruppen mit nahezu identischen Werten, Zielen und Programmen zur Wahl stellen. Was auf den ersten Blick wie eine Stärkung der demokratischen Vielfalt wirken mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als kontraproduktiv – für die Sache, für die Wähler und für die politische Kultur vor Ort.

Zersplitterung statt Bündelung

Wenn zwei Listen dieselbe Richtung vertreten, entsteht keine echte Wahlmöglichkeit, sondern eine künstliche Zersplitterung. Stimmen, die eigentlich gemeinsam eine starke politische Kraft bilden könnten, werden aufgeteilt. Das schwächt die Position in der Gemeindevertretung und erschwert die Umsetzung gemeinsamer Anliegen. Statt mit vereinter Stimme zu sprechen, konkurrieren zwei Lager um dieselbe Wählergruppe – ein unnötiger Kraftverlust.

Verwirrung statt Klarheit

Für Bürgerinnen und Bürger wird die politische Landschaft unübersichtlich. Wer sich für bestimmte Werte einsetzen möchte, steht vor der Frage: Welche Liste ist „die richtige“? Die Unterschiede sind oft marginal, die Entscheidungsgrundlage diffus. Das führt zu Frustration und Politikverdrossenheit – gerade in einer Zeit, in der Vertrauen und Transparenz wichtiger denn je sind.

Ego statt Gemeinwohl?

Nicht selten entstehen solche Doppelstrukturen aus persönlichen Eitelkeiten, internen Konflikten oder dem Wunsch nach Profilierung einzelner Akteure. Das mag menschlich verständlich sein, ist aber politisch fatal. Kommunalpolitik sollte kein Ort für Machtspielchen sein, sondern für konstruktive Zusammenarbeit. Wer wirklich für die Sache brennt, sucht den Schulterschluss – nicht die Spaltung.

Fazit: Gemeinsam statt nebeneinander

Neue Initiativen bringen frische Impulse und wertvolle Perspektiven mit. Doch statt nebeneinander zu agieren, liegt die größere Chance im Miteinander: Wenn neue Gruppen sich mit bestehenden Strukturen verbinden, entsteht ein starkes Netzwerk aus Innovation und Erfahrung. So wird aus Vielfalt ein gemeinsames Fundament – getragen von Sachlichkeit, Bürgernähe und dem Willen zur Zusammenarbeit.

Wer Verantwortung übernehmen will, sollte nicht bei Null anfangen, sondern auf das aufbauen, was bereits trägt. Denn echte Veränderung entsteht dort, wo neue Ideen auf bewährte Wege treffen – und gemeinsam weitergedacht werden.

Rechenzentrum: Ernüchterung nach der Wahl – Gemeinde sucht nach echten Vorteilen und Synergien

Vor der Bürgermeisterwahl wurde das geplante Rechenzentrum in Birstein als zukunftsweisendes Projekt und potenzieller Gewinn für die Gemeinde präsentiert. Die Erwartungen waren hoch, das Vorhaben wurde offensiv im Wahlkampf genutzt. Doch nach der erfolgreichen Wahl zeigt sich, die Umsetzung ist mit erheblichen Hürden verbunden und die versprochenen Vorteile sind keineswegs selbstverständlich.

Die jüngsten Beratungen offenbaren zahlreiche Unsicherheiten. So ist weiterhin unklar, ob die Gemeinde tatsächlich von Gewerbesteuereinnahmen profitieren kann, wenn die Betreiber des Rechenzentrums ihren Sitz außerhalb haben. Auch alternative Modelle stehen auf dem Prüfstand, doch die Grundstücksfrage bleibt ungelöst und erschwert die Verhandlungen. Garantiezahlungen als Ausgleich für entgangene Steuereinnahmen erscheinen rechtlich kaum umsetzbar.

Ein weiteres Modell sieht die Einrichtung eines Klimafonds vor, der für öffentliche Gebäude genutzt werden könnte. Die Finanzierung und die konkrete Ausgestaltung sind jedoch noch offen. Die Gemeinde prüft zudem, wie die Abwärme des Rechenzentrums sinnvoll genutzt werden kann – etwa durch eine Einbindung in bestehende oder geplante Nahwärmesysteme.

Gerade hier könnten sich Synergien mit den aktuellen Bemühungen der IG Nahwärme ergeben. Die Arbeitsgruppe, die nun gegründet wird, soll gezielt untersuchen, wie das Rechenzentrum zur Stärkung lokaler Energieprojekte beitragen kann und sollte auch prüfen inwieweit eine Zusammenarbeit mit der IG Nahwärme möglich ist. Innovative Ansätze und neue Argumentationslinien sind gefragt, denn bislang hat keine vergleichbare Kommune Modelle umgesetzt, die eine Kompensation der überschüssigen Wärme über Klimafonds in öffentliche Gebäude investieren lässt.

Was vor der Wahl als klare Erfolgsgeschichte verkauft wurde, entpuppt sich nun als komplexes Puzzle. Die Gemeinde steht vor der Aufgabe, aus dem einstigen Wahlkampfthema einen echten Mehrwert für Birstein zu schaffen – und muss dabei viele offene Fragen klären.

Bürgermeisterwahl 2025

Ich gratuliere dem alten und neuen Amtsinhaber zu seinem Wahlsieg.

Birstein hat sich am 26.10.2025 im ersten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit für den Amtsinhaber Fabian Fehl entschieden. Über 57% der Wählenden entschied sich, den bisherigen Bürgermeister im Amt zu bestätigen.

Nicht trotz, sondern gerade wegen dieses Sachstandes darf der Bürgermeister den enormen Vertrauensvorschuss nicht enttäuschen.

Es ist leider nachweislich Fakt, dass sich die Gemeindekasse in Schieflage befindet. Das ist aber nicht nur in Birstein der Fall – richtig. Dennoch sollten hier die Konzepte zur Finanzierung der begonnenen und der geplanten Projekte als eigenes Projekt auf den Prüfstand gestellt werden.

Einen Haushalt auf mehrere Jahre zu rechnen, um ihn genehmigungsfähig zu machen ist in schwierigen Zeiten vertretbar. Dann aber müssen die Kosten, mit denen in den folgenden Jahren im Haushalt gerechnet wird, auch nachweisbar gesichert sein.

Wo Einnahmen stagnieren und die Kosten nicht mehr decken, droht die Kommunalaufsicht einzugreifen. Und wenn das geschieht, ist der Griff zur Steuerlast – allen voran zur Grundsteuer B – der naheliegende Weg, um die Lücke zu schließen.

Genau hier liegt die eigentliche Aufgabe des Bürgermeisters: lenkend einzugreifen, bevor andere es tun. Es geht darum, Projekte nach Dringlichkeit und Finanzierbarkeit zu priorisieren, statt alles gleichzeitig anzustoßen.

Projekte, wie die Sanierung der Feuerwehren sind notwendig und durch den Bedarfsplan unumstößlich geregelt, was durch die Landesbehörden und die Feuerwehr-Unfallkassen geprüft wird. Hierauf hat der Bürgermeister keinen Einfluss, da es sich schlicht um gesetzlich vorgegebene Richtlinien handelt, die einzuhalten sind. Gleichwohl ist er aber in der Verantwortung, das zu gewährleisten und somit auch umzusetzen und zu finanzieren.

Daneben gilt es weitere „Pflichtprojekte“ zu berücksichtigen.

Es gibt also verpflichtende Ausgaben, die vor den prestigeträchtigen und medienwirksamen Vorzeigeprojekten zu priorisieren sind.

Es geht darum, Transparenz zu schaffen und die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen – nicht nur oberflächlich oder in langen, fachlich ausgedrückten und somit verwirrenden Texten, sondern im Detail und verständlich, anstatt sie am Ende mit höheren Abgaben zu konfrontieren.

Aus diesem Grund müssen neue Wege gefunden werden, Einnahmen zu sichern.

Hier gibt es Versprechungen, wie ein Rechenzentrum in Birstein, deren Umsetzung es im Detail zu prüfen gilt. Einnahmen durch Windkraft sind ebenso zu erwarten, aber bislang nur teilweise gesichert. Ein kurzfristig verfügbarer Geldsegen ist allerdings bei beiden Projekten eher unwahrscheinlich.

Wer Verantwortung übernimmt, muss zeigen, dass solide Planung und ökonomisches Handeln wichtiger sind als schnelle Schlagzeilen. Denn am Ende zählt nur, ob die Gemeinde sich die vielen – lediglich teilweise notwendigen Projekte – im aktuellen Rahmen und in der aktuellen Konzeption, alle auf einmal leisten kann, ohne die Bürgerinnen und Bürger dafür zur Kasse zu bitten.

Wird das vom Amtsinhaber nachweisbar umgesetzt, sehe ich der Zukunft positiv entgegen.

Gedanken und Anregungen zur bevorstehenden Bürgermeisterwahl in Birstein

In der öffentlichen Debatte werden immer wieder Vorwürfe hervorgeholt, die längst geprüft und ohne Folgen geblieben sind. Es geht um angebliche Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen, um Ausgaben, die man im Nachhinein skandalträchtig erscheinen lassen möchte, oder um parteiinterne Konflikte, die mehr mit Machtfragen als mit echter Rechtsverletzung zu tun haben. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Es gab keinen Kläger, der die Sache vor Gericht gebracht hätte. Es gab keinen Richter, der ein Urteil gesprochen hätte. Und es gab auch keine Sanktionen, die eine tatsächliche Schuld bestätigt hätten. Verfahren wurden eingestellt, Ämter blieben erhalten, Funktionen wurden weitergeführt.

Wenn also trotz aller Schlagzeilen und Anschuldigungen am Ende nichts übrig bleibt außer Gerede hinter und vor dem Zapfhahn, dann stellt sich die Frage, ob es hier wirklich um Aufklärung geht, oder eher darum, mit alten Geschichten Stimmung zu machen. Wer so vorgeht, ersetzt Argumente durch Andeutungen und versucht, Menschen durch den Schatten der Vergangenheit zu diskreditieren, anstatt sich mit den Aufgaben der Gegenwart auseinanderzusetzen.

Kommunalpolitik sollte nicht zum Schauplatz von Denunziation werden. Sie sollte sich darauf konzentrieren, wer in der Lage ist, Projekte vernünftig und ökonomisch zu planen, wer Verantwortung übernimmt und wer dafür sorgt, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht am Ende die Zeche zahlen. Persönliche Sympathien oder Antipathien sind dabei zweitrangig. Entscheidend ist allein, wer die Kompetenz und die Integrität mitbringt, die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen.

Birstein steht vor erheblichen Herausforderungen. In den kommenden Jahren sind Investitionen in Millionenhöhe vorgesehen, die den Haushalt stark belasten. Schon jetzt zeigt sich, dass die Gemeinde Gefahr läuft, ihre Ausgaben nicht mehr im Gleichgewicht zu halten. Wo Einnahmen stagnieren und Kosten durch Inflation und steigende Baupreise wachsen, droht die Kommunalaufsicht einzugreifen. Und wenn das geschieht, ist der Griff zur Steuerlast – allen voran zur Grundsteuer B – der naheliegende Weg, um die Lücke zu schließen.

Genau hier liegt die eigentliche Aufgabe des künftigen Bürgermeisters: lenkend einzugreifen, bevor andere es tun. Es geht darum, Projekte nach Dringlichkeit und Finanzierbarkeit zu priorisieren, statt alles gleichzeitig anzustoßen. Es geht darum, Transparenz zu schaffen und die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen, anstatt sie am Ende mit höheren Abgaben zu konfrontieren. Und es geht darum, neue Wege zu finden, Einnahmen zu sichern, ohne reflexartig die Steuerhebel zu bedienen.

Kommunalpolitik darf nicht zur Verwaltung von Engpässen verkommen. Sie muss die Gemeinschaft schützen – vor überzogenen Belastungen ebenso wie vor blindem Aktionismus. Wer Verantwortung übernimmt, muss zeigen, dass solide Planung und ökonomisches Handeln wichtiger sind als schnelle Schlagzeilen. Denn am Ende zählt nicht, wie viele Projekte versprochen werden und wer auf wie vielen Veranstaltungen hinter der Theke aushilft, sondern ob die Gemeinde sich die vielen – teilweise notwendigen Projekte – im aktuellen Rahmen und alle auf einmal leisten kann, ohne die Bürgerinnen und Bürger noch tiefer in die Tasche greifen zu lassen.


Eine Apotheke für Birstein

Manchmal sind es die kleinen Momente, die große politische Tragödien einläuten. Die Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl 2025 in Birstein war gespickt mit erwartbaren Floskeln, routinierten Verteidigungen und einem Hauch von Überraschung – letzteres allerdings nicht im Sinne von „positiv“.

Denn während sich der amtierende Bürgermeister durch die Untiefen der Lokalpolitik navigierte und ein freier Kandidat mit Sachkenntnis und Charisma punktete, gelang dem CDU-Herausforderer ein ganz besonderer Coup: Er forderte die Errichtung einer Apotheke. In Birstein. Wo es bereits eine gibt. Seit Jahren. Mit Türschild, Personal und allem Drum und Dran. Glücklicherweise wurde er von einem weiteren freien Bewerber daran erinnert, dass es bereits eine Apotheke in Birstein gibt.

Doch damit nicht genug. Die Apotheke ist nicht nur existent, sondern auch familiär mit einem etablierten Mitglied der FBG verwoben – jener Gruppierung, die historisch eng mit der CDU verbandelt ist. Man könnte meinen, ein CDU-Kandidat hätte davon gehört. Oder wenigstens mal gegoogelt. Aber nein: Statt eines Rückzugs oder gar einer Entschuldigung folgte die nächste Eskalationsstufe – die Forderung nach einer zweiten Apotheke. Für ein Dorf, das bereits versorgt ist. Vielleicht dachte man, doppelt hält besser?

Man muss dem Kandidaten zugutehalten: Er hat Visionen. Leider scheinen diese auf einem Stadtplan zu beruhen, der Birstein mit einem anderen Ort verwechselt. Oder mit einem weißen Blatt Papier. Physiotherapie? Gibt’s. Hebammen? Da. Psychotherapie? Vorhanden. Es ist fast, als hätte man sich die Infrastruktur aus dem Wahlkampf-Flyer eines anderen Landkreises ausgeliehen.

Die Reaktion im Publikum war entsprechend entsetzt. Man spürte förmlich, wie sich die kollektive Stirn runzelte. Ein ganzes Dorf, das sich fragt: „Kennt der uns überhaupt?“ Und schlimmer noch: „Will der uns überhaupt kennen?“

Es bleibt die Frage, wie man sich aus diesem selbstgewählten Dilemma befreien will. Ein Rückzug vor der Wahl wäre zumindest ein Akt der Restvernunft – oder wie man sagt: ein blauer Fleck ist besser als ein Totalschaden. Denn wer mit so viel Selbstbewusstsein in die Sackgasse fährt, sollte wenigstens den Rückwärtsgang kennen.

Am Ende bleibt uns nur die Hoffnung, dass die verbleibenden Tage bis zur Wahl und ggf. bis zur Stichwahl nicht zur Comedy-Show verkommen. Oder vielleicht doch – denn wenn Politik schon nicht immer klug ist, darf sie wenigstens unterhaltsam sein.