Zwei Listen – ein Ziel? Warum Doppelstrukturen der Sache schaden

In der Kommunalpolitik zählt vor allem eines: das gemeinsame Engagement für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger. Umso irritierender ist es, wenn sich zwei politische Gruppen mit nahezu identischen Werten, Zielen und Programmen zur Wahl stellen. Was auf den ersten Blick wie eine Stärkung der demokratischen Vielfalt wirken mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als kontraproduktiv – für die Sache, für die Wähler und für die politische Kultur vor Ort.

Zersplitterung statt Bündelung

Wenn zwei Listen dieselbe Richtung vertreten, entsteht keine echte Wahlmöglichkeit, sondern eine künstliche Zersplitterung. Stimmen, die eigentlich gemeinsam eine starke politische Kraft bilden könnten, werden aufgeteilt. Das schwächt die Position in der Gemeindevertretung und erschwert die Umsetzung gemeinsamer Anliegen. Statt mit vereinter Stimme zu sprechen, konkurrieren zwei Lager um dieselbe Wählergruppe – ein unnötiger Kraftverlust.

Verwirrung statt Klarheit

Für Bürgerinnen und Bürger wird die politische Landschaft unübersichtlich. Wer sich für bestimmte Werte einsetzen möchte, steht vor der Frage: Welche Liste ist „die richtige“? Die Unterschiede sind oft marginal, die Entscheidungsgrundlage diffus. Das führt zu Frustration und Politikverdrossenheit – gerade in einer Zeit, in der Vertrauen und Transparenz wichtiger denn je sind.

Ego statt Gemeinwohl?

Nicht selten entstehen solche Doppelstrukturen aus persönlichen Eitelkeiten, internen Konflikten oder dem Wunsch nach Profilierung einzelner Akteure. Das mag menschlich verständlich sein, ist aber politisch fatal. Kommunalpolitik sollte kein Ort für Machtspielchen sein, sondern für konstruktive Zusammenarbeit. Wer wirklich für die Sache brennt, sucht den Schulterschluss – nicht die Spaltung.

Fazit: Gemeinsam statt nebeneinander

Neue Initiativen bringen frische Impulse und wertvolle Perspektiven mit. Doch statt nebeneinander zu agieren, liegt die größere Chance im Miteinander: Wenn neue Gruppen sich mit bestehenden Strukturen verbinden, entsteht ein starkes Netzwerk aus Innovation und Erfahrung. So wird aus Vielfalt ein gemeinsames Fundament – getragen von Sachlichkeit, Bürgernähe und dem Willen zur Zusammenarbeit.

Wer Verantwortung übernehmen will, sollte nicht bei Null anfangen, sondern auf das aufbauen, was bereits trägt. Denn echte Veränderung entsteht dort, wo neue Ideen auf bewährte Wege treffen – und gemeinsam weitergedacht werden.

Rechenzentrum: Ernüchterung nach der Wahl – Gemeinde sucht nach echten Vorteilen und Synergien

Vor der Bürgermeisterwahl wurde das geplante Rechenzentrum in Birstein als zukunftsweisendes Projekt und potenzieller Gewinn für die Gemeinde präsentiert. Die Erwartungen waren hoch, das Vorhaben wurde offensiv im Wahlkampf genutzt. Doch nach der erfolgreichen Wahl zeigt sich, die Umsetzung ist mit erheblichen Hürden verbunden und die versprochenen Vorteile sind keineswegs selbstverständlich.

Die jüngsten Beratungen offenbaren zahlreiche Unsicherheiten. So ist weiterhin unklar, ob die Gemeinde tatsächlich von Gewerbesteuereinnahmen profitieren kann, wenn die Betreiber des Rechenzentrums ihren Sitz außerhalb haben. Auch alternative Modelle stehen auf dem Prüfstand, doch die Grundstücksfrage bleibt ungelöst und erschwert die Verhandlungen. Garantiezahlungen als Ausgleich für entgangene Steuereinnahmen erscheinen rechtlich kaum umsetzbar.

Ein weiteres Modell sieht die Einrichtung eines Klimafonds vor, der für öffentliche Gebäude genutzt werden könnte. Die Finanzierung und die konkrete Ausgestaltung sind jedoch noch offen. Die Gemeinde prüft zudem, wie die Abwärme des Rechenzentrums sinnvoll genutzt werden kann – etwa durch eine Einbindung in bestehende oder geplante Nahwärmesysteme.

Gerade hier könnten sich Synergien mit den aktuellen Bemühungen der IG Nahwärme ergeben. Die Arbeitsgruppe, die nun gegründet wird, soll gezielt untersuchen, wie das Rechenzentrum zur Stärkung lokaler Energieprojekte beitragen kann und sollte auch prüfen inwieweit eine Zusammenarbeit mit der IG Nahwärme möglich ist. Innovative Ansätze und neue Argumentationslinien sind gefragt, denn bislang hat keine vergleichbare Kommune Modelle umgesetzt, die eine Kompensation der überschüssigen Wärme über Klimafonds in öffentliche Gebäude investieren lässt.

Was vor der Wahl als klare Erfolgsgeschichte verkauft wurde, entpuppt sich nun als komplexes Puzzle. Die Gemeinde steht vor der Aufgabe, aus dem einstigen Wahlkampfthema einen echten Mehrwert für Birstein zu schaffen – und muss dabei viele offene Fragen klären.

Bürgermeisterwahl 2025

Ich gratuliere dem alten und neuen Amtsinhaber zu seinem Wahlsieg.

Birstein hat sich am 26.10.2025 im ersten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit für den Amtsinhaber Fabian Fehl entschieden. Über 57% der Wählenden entschied sich, den bisherigen Bürgermeister im Amt zu bestätigen.

Nicht trotz, sondern gerade wegen dieses Sachstandes darf der Bürgermeister den enormen Vertrauensvorschuss nicht enttäuschen.

Es ist leider nachweislich Fakt, dass sich die Gemeindekasse in Schieflage befindet. Das ist aber nicht nur in Birstein der Fall – richtig. Dennoch sollten hier die Konzepte zur Finanzierung der begonnenen und der geplanten Projekte als eigenes Projekt auf den Prüfstand gestellt werden.

Einen Haushalt auf mehrere Jahre zu rechnen, um ihn genehmigungsfähig zu machen ist in schwierigen Zeiten vertretbar. Dann aber müssen die Kosten, mit denen in den folgenden Jahren im Haushalt gerechnet wird, auch nachweisbar gesichert sein.

Wo Einnahmen stagnieren und die Kosten nicht mehr decken, droht die Kommunalaufsicht einzugreifen. Und wenn das geschieht, ist der Griff zur Steuerlast – allen voran zur Grundsteuer B – der naheliegende Weg, um die Lücke zu schließen.

Genau hier liegt die eigentliche Aufgabe des Bürgermeisters: lenkend einzugreifen, bevor andere es tun. Es geht darum, Projekte nach Dringlichkeit und Finanzierbarkeit zu priorisieren, statt alles gleichzeitig anzustoßen.

Projekte, wie die Sanierung der Feuerwehren sind notwendig und durch den Bedarfsplan unumstößlich geregelt, was durch die Landesbehörden und die Feuerwehr-Unfallkassen geprüft wird. Hierauf hat der Bürgermeister keinen Einfluss, da es sich schlicht um gesetzlich vorgegebene Richtlinien handelt, die einzuhalten sind. Gleichwohl ist er aber in der Verantwortung, das zu gewährleisten und somit auch umzusetzen und zu finanzieren.

Daneben gilt es weitere „Pflichtprojekte“ zu berücksichtigen.

Es gibt also verpflichtende Ausgaben, die vor den prestigeträchtigen und medienwirksamen Vorzeigeprojekten zu priorisieren sind.

Es geht darum, Transparenz zu schaffen und die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen – nicht nur oberflächlich oder in langen, fachlich ausgedrückten und somit verwirrenden Texten, sondern im Detail und verständlich, anstatt sie am Ende mit höheren Abgaben zu konfrontieren.

Aus diesem Grund müssen neue Wege gefunden werden, Einnahmen zu sichern.

Hier gibt es Versprechungen, wie ein Rechenzentrum in Birstein, deren Umsetzung es im Detail zu prüfen gilt. Einnahmen durch Windkraft sind ebenso zu erwarten, aber bislang nur teilweise gesichert. Ein kurzfristig verfügbarer Geldsegen ist allerdings bei beiden Projekten eher unwahrscheinlich.

Wer Verantwortung übernimmt, muss zeigen, dass solide Planung und ökonomisches Handeln wichtiger sind als schnelle Schlagzeilen. Denn am Ende zählt nur, ob die Gemeinde sich die vielen – lediglich teilweise notwendigen Projekte – im aktuellen Rahmen und in der aktuellen Konzeption, alle auf einmal leisten kann, ohne die Bürgerinnen und Bürger dafür zur Kasse zu bitten.

Wird das vom Amtsinhaber nachweisbar umgesetzt, sehe ich der Zukunft positiv entgegen.

Gedanken und Anregungen zur bevorstehenden Bürgermeisterwahl in Birstein

In der öffentlichen Debatte werden immer wieder Vorwürfe hervorgeholt, die längst geprüft und ohne Folgen geblieben sind. Es geht um angebliche Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen, um Ausgaben, die man im Nachhinein skandalträchtig erscheinen lassen möchte, oder um parteiinterne Konflikte, die mehr mit Machtfragen als mit echter Rechtsverletzung zu tun haben. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Es gab keinen Kläger, der die Sache vor Gericht gebracht hätte. Es gab keinen Richter, der ein Urteil gesprochen hätte. Und es gab auch keine Sanktionen, die eine tatsächliche Schuld bestätigt hätten. Verfahren wurden eingestellt, Ämter blieben erhalten, Funktionen wurden weitergeführt.

Wenn also trotz aller Schlagzeilen und Anschuldigungen am Ende nichts übrig bleibt außer Gerede hinter und vor dem Zapfhahn, dann stellt sich die Frage, ob es hier wirklich um Aufklärung geht, oder eher darum, mit alten Geschichten Stimmung zu machen. Wer so vorgeht, ersetzt Argumente durch Andeutungen und versucht, Menschen durch den Schatten der Vergangenheit zu diskreditieren, anstatt sich mit den Aufgaben der Gegenwart auseinanderzusetzen.

Kommunalpolitik sollte nicht zum Schauplatz von Denunziation werden. Sie sollte sich darauf konzentrieren, wer in der Lage ist, Projekte vernünftig und ökonomisch zu planen, wer Verantwortung übernimmt und wer dafür sorgt, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht am Ende die Zeche zahlen. Persönliche Sympathien oder Antipathien sind dabei zweitrangig. Entscheidend ist allein, wer die Kompetenz und die Integrität mitbringt, die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen.

Birstein steht vor erheblichen Herausforderungen. In den kommenden Jahren sind Investitionen in Millionenhöhe vorgesehen, die den Haushalt stark belasten. Schon jetzt zeigt sich, dass die Gemeinde Gefahr läuft, ihre Ausgaben nicht mehr im Gleichgewicht zu halten. Wo Einnahmen stagnieren und Kosten durch Inflation und steigende Baupreise wachsen, droht die Kommunalaufsicht einzugreifen. Und wenn das geschieht, ist der Griff zur Steuerlast – allen voran zur Grundsteuer B – der naheliegende Weg, um die Lücke zu schließen.

Genau hier liegt die eigentliche Aufgabe des künftigen Bürgermeisters: lenkend einzugreifen, bevor andere es tun. Es geht darum, Projekte nach Dringlichkeit und Finanzierbarkeit zu priorisieren, statt alles gleichzeitig anzustoßen. Es geht darum, Transparenz zu schaffen und die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen, anstatt sie am Ende mit höheren Abgaben zu konfrontieren. Und es geht darum, neue Wege zu finden, Einnahmen zu sichern, ohne reflexartig die Steuerhebel zu bedienen.

Kommunalpolitik darf nicht zur Verwaltung von Engpässen verkommen. Sie muss die Gemeinschaft schützen – vor überzogenen Belastungen ebenso wie vor blindem Aktionismus. Wer Verantwortung übernimmt, muss zeigen, dass solide Planung und ökonomisches Handeln wichtiger sind als schnelle Schlagzeilen. Denn am Ende zählt nicht, wie viele Projekte versprochen werden und wer auf wie vielen Veranstaltungen hinter der Theke aushilft, sondern ob die Gemeinde sich die vielen – teilweise notwendigen Projekte – im aktuellen Rahmen und alle auf einmal leisten kann, ohne die Bürgerinnen und Bürger noch tiefer in die Tasche greifen zu lassen.


Eine Apotheke für Birstein

Manchmal sind es die kleinen Momente, die große politische Tragödien einläuten. Die Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl 2025 in Birstein war gespickt mit erwartbaren Floskeln, routinierten Verteidigungen und einem Hauch von Überraschung – letzteres allerdings nicht im Sinne von „positiv“.

Denn während sich der amtierende Bürgermeister durch die Untiefen der Lokalpolitik navigierte und ein freier Kandidat mit Sachkenntnis und Charisma punktete, gelang dem CDU-Herausforderer ein ganz besonderer Coup: Er forderte die Errichtung einer Apotheke. In Birstein. Wo es bereits eine gibt. Seit Jahren. Mit Türschild, Personal und allem Drum und Dran. Glücklicherweise wurde er von einem weiteren freien Bewerber daran erinnert, dass es bereits eine Apotheke in Birstein gibt.

Doch damit nicht genug. Die Apotheke ist nicht nur existent, sondern auch familiär mit einem etablierten Mitglied der FBG verwoben – jener Gruppierung, die historisch eng mit der CDU verbandelt ist. Man könnte meinen, ein CDU-Kandidat hätte davon gehört. Oder wenigstens mal gegoogelt. Aber nein: Statt eines Rückzugs oder gar einer Entschuldigung folgte die nächste Eskalationsstufe – die Forderung nach einer zweiten Apotheke. Für ein Dorf, das bereits versorgt ist. Vielleicht dachte man, doppelt hält besser?

Man muss dem Kandidaten zugutehalten: Er hat Visionen. Leider scheinen diese auf einem Stadtplan zu beruhen, der Birstein mit einem anderen Ort verwechselt. Oder mit einem weißen Blatt Papier. Physiotherapie? Gibt’s. Hebammen? Da. Psychotherapie? Vorhanden. Es ist fast, als hätte man sich die Infrastruktur aus dem Wahlkampf-Flyer eines anderen Landkreises ausgeliehen.

Die Reaktion im Publikum war entsprechend entsetzt. Man spürte förmlich, wie sich die kollektive Stirn runzelte. Ein ganzes Dorf, das sich fragt: „Kennt der uns überhaupt?“ Und schlimmer noch: „Will der uns überhaupt kennen?“

Es bleibt die Frage, wie man sich aus diesem selbstgewählten Dilemma befreien will. Ein Rückzug vor der Wahl wäre zumindest ein Akt der Restvernunft – oder wie man sagt: ein blauer Fleck ist besser als ein Totalschaden. Denn wer mit so viel Selbstbewusstsein in die Sackgasse fährt, sollte wenigstens den Rückwärtsgang kennen.

Am Ende bleibt uns nur die Hoffnung, dass die verbleibenden Tage bis zur Wahl und ggf. bis zur Stichwahl nicht zur Comedy-Show verkommen. Oder vielleicht doch – denn wenn Politik schon nicht immer klug ist, darf sie wenigstens unterhaltsam sein.

Erwartungen an den neu gewählten Bürgermeister von Birstein

Nach der Wahl im Oktober richte ich meinen Blick auf das demokratisch gewählte Amt des Bürgermeisters – mit klaren, aber differenzierten Erwartungen. Die Gemeinde steht vor einer Reihe bedeutender Herausforderungen, die nicht nur kluge Verwaltung, sondern auch politische Führung verlangen.

Im Zentrum der Erwartungen steht die prekäre Finanzlage der Kommune. Über 16 Millionen Euro an Investitionen sind bis 2028 geplant, doch die Haushalte sind nur durch buchhalterische Kunstgriffe genehmigungsfähig. Unvorhergesehene Kosten sind nicht berücksichtigt und die Inflation verschärft die Situation zusätzlich. Ich befürchte, dass bei ausbleibender Haushaltsgenehmigung Steuererhöhungen drohen – insbesondere bei der Grundsteuer B – und dass die Verantwortung dafür nicht bei den Bürgern, sondern bei den Entscheidungsträgern liegt.

Besonders kritisch sehe ich die Umsetzung zentraler Projekte wie das Medizinische Versorgungszentrum und die Sanierung des Freibades, sowie die Fertigstellung der Renovierung des Bürgerzentrums. Alle Vorhaben sind gesellschaftlich wichtig und durchaus notwendig – die ärztliche Versorgung und das Freibad als sozialer Treffpunkt – doch die Planung und die Investitionsentscheidungen sind nach meiner Meinung mangelhaft durchdacht und teilweise ungeschickt geplant. Das Bürgerzentrum verteuert sich regelmäßig entgegen ursprünglicher durchaus pessimistischer Planungen und auch beim Freibad stellt sich die Frage, ob die Finanzierung tragfähig ist oder ob ein weiteres Projekt auf wackeliger Grundlage umgesetzt wird.

Hinzu kommt die Windkraft: Die Bauarbeiten für die Windräder mit insgesamt 54 Megawatt Leistung haben begonnen, doch die erhofften Einnahmen für die Gemeinde werden voraussichtlich später fließen als ursprünglich geplant und sind nach wie vor in der versprochenen Höhe von 1,2 Millionen Euro pro Jahr noch immer unsicher. Die Energiewende ist ohne Frage wichtig und kann nicht zuletzt durch aktuelle Bemühungen – auch der IG-Nahwärme in Birstein – durchaus Fahrt in unserer Kommune aufnehmen, ich bitte jedoch um eine realistischen Einschätzung der finanziellen Wirkung solcher Großprojekte.

Vor diesem Hintergrund erwarte ich vom neuen Bürgermeister nicht nur Repräsentation, sondern eine klare Kurskorrektur. Es braucht den Mut, Projekte neu zu bewerten, Prioritäten zu setzen und offen mit den Bürgerinnen und Bürgern zu kommunizieren. Die Zukunft Birsteins hängt nicht von der Größe der Bauvorhaben ab, sondern von der Qualität der Entscheidungen.

Dabei sollte auch die Möglichkeit einer Mischkonstruktion in Betracht gezogen werden: Investitionen dort, wo sie wirklich notwendig und tragfähig sind – kombiniert mit einem strikten Haushaltskurs und der Bereitschaft, Projekte anzupassen. Ich wünsche mir eine Politik, die nicht auf Prestige, sondern auf Substanz setzt. Denn gewählt wurde nicht für Visionen allein, sondern für verantwortliches Handeln im Hier und Jetzt.

Kurzum das sollte die Person im Amt des Bürgermeisters in der Zukunft mitbringen:

Verantwortungsbewusste Haushaltsführung:

  • Angesichts wachsender Schulden mahnt sie zu finanzieller Disziplin und nachhaltiger Investitionspolitik.

Transparente Kommunikation:

  • Entscheidungen sollen nachvollziehbar und offen mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert werden.

Stärkung der lokalen Infrastruktur:

  • Dazu zählen ärztliche Versorgung, digitale Verwaltung und soziale Einrichtungen, sowie die Identifikation von neuen Einkommensquellen, um die Bürgerinnen und Bürger vor Steuererhöhungen und anderen zusätzlichen Belastungen zu bewahren.

Unabhängigkeit und Sachverstand:

  • Der Bürgermeister soll sich nicht von parteipolitischen Interessen leiten lassen, sondern das Wohl der Gemeinde in den Mittelpunkt stellen.

Hyperscaler, Mainframes und die Rückkehr in das eigene Rechenzentrum

Die Geschichte der IT scheint sich zu wiederholen. Was einst der Mainframe war – ein zentraler, mächtiger Rechner, auf den viele Nutzer angewiesen waren – ist heute der Hyperscaler: global verteilte Cloud-Infrastruktur, betrieben von wenigen dominanten Anbietern. Die Cloud versprach Flexibilität, Skalierbarkeit und geringere Kosten. Doch viele Unternehmen erleben inzwischen das Gegenteil: steigende Ausgaben, komplexe Abhängigkeiten und wachsende Unsicherheit in Bezug auf Datenschutz und Kontrolle.

Die Rückkehr ins eigene Rechenzentrum erscheint daher zunehmend attraktiv. Sie bietet mehr Transparenz, Kontrolle und rechtliche Sicherheit – besonders für sensible Daten und kritische Anwendungen. Doch dieser Weg ist anspruchsvoll. Wer sich von der Cloud lösen will, muss technische Hürden überwinden, in Infrastruktur investieren und sich auf neue Betriebsmodelle einstellen.

Die Cloud ist kein Irrweg, aber auch kein Allheilmittel. Ihre Stärken liegen in der schnellen Skalierung und globalen Verfügbarkeit. Das eigene Rechenzentrum punktet mit Kontrolle und Stabilität. Deshalb sollte die Zukunft nicht in einem Entweder-oder gesucht werden, sondern in einer Mischkonstruktion: einer hybriden Architektur, die je nach Bedarf das Beste aus beiden Welten nutzt.

Digitale Zukunft auf dem Land: Chancen und Herausforderungen eines Rechenzentrums

Ein Rechenzentrum im ländlichen Raum ist weit mehr als ein technisches Bauwerk – es ist ein Symbol für Zukunftsfähigkeit, digitale Teilhabe und wirtschaftliche Erneuerung. In einer Zeit, in der Datenströme die Grundlage moderner Gesellschaften bilden, kann ein solches Zentrum zum Herzstück einer Region werden, die bislang eher abseits der digitalen Hauptschlagadern lag. Die Entscheidung, ein Rechenzentrum in einer ländlichen Gemeinde zu errichten, ist daher nicht nur ein wirtschaftlicher Impuls, sondern auch ein strategisches Bekenntnis zur Transformation.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein Rechenzentrum bringt Arbeitsplätze, zieht technologieaffine Unternehmen an und kann durch moderne Konzepte der Energieeffizienz und Wärmerückgewinnung sogar einen Beitrag zur ökologischen Nachhaltigkeit leisten. Es kann die Digitalisierung der lokalen Verwaltung, Schulen und Betriebe beschleunigen und die Gemeinde als Standort für Innovationen etablieren. Doch diese Vision verlangt mehr als nur Begeisterung – sie fordert eine nüchterne Auseinandersetzung mit den infrastrukturellen Voraussetzungen und den damit verbundenen Herausforderungen.

Denn ein Rechenzentrum stellt hohe Anforderungen an die Energieversorgung. Die Gemeinde muss sicherstellen, dass eine stabile, leistungsfähige und idealerweise nachhaltige Strominfrastruktur vorhanden ist oder geschaffen werden kann. Ebenso essenziell ist die Anbindung an leistungsfähige Glasfasernetze mit redundanten Leitungen – ohne sie bleibt das Zentrum ein Tor ohne Anschluss. Auch die Standortwahl ist sensibel: Flächenbedarf, Lärmemissionen, Kühlung und Sicherheitsaspekte müssen mit ökologischen und sozialen Interessen der Bevölkerung in Einklang gebracht werden.

Besonders betroffen ist die Gemeindeverwaltung, die sich ihrer Rolle als zentrale Schnittstelle zwischen Projektträgern, Bürgerinnen und Bürgern sowie übergeordneten Behörden bewusst sein muss. Sie trägt die Verantwortung, Genehmigungsverfahren transparent und zügig zu gestalten, Fördermittel zu akquirieren und die Bevölkerung frühzeitig und offen zu informieren. Die Verwaltung muss sich darauf einstellen, neue Kompetenzen aufzubauen – etwa im Bereich digitaler Infrastruktur, Energieplanung und Standortentwicklung. Gleichzeitig ist sie gefordert, Sorgen und Widerstände ernst zu nehmen und in konstruktive Dialoge zu überführen.

Dabei muss von Anfang an sichergestellt sein, dass die entstehenden Kosten für Infrastrukturmaßnahmen, etwa für Stromleitungen, Straßenanbindung oder Netzwerktechnik, nicht der Gemeinde oder ihren Bürgerinnen und Bürgern aufgebürdet werden. Der Betreiber des Rechenzentrums muss vertraglich verpflichtet werden, diese Kosten vollständig zu tragen. Ebenso ist es von zentraler Bedeutung, dass das Unternehmen seine Gewerbesteuer in der Kommune entrichtet und nicht über komplexe Konstruktionen an andere Standorte verlagert. Nur so kann die Gemeinde langfristig von den wirtschaftlichen Effekten profitieren und die Investition als echten Gewinn verbuchen.

Ein Rechenzentrum kann zum Leuchtturmprojekt werden – aber nur, wenn die Gemeinde nicht nur die Chancen erkennt, sondern auch die Verantwortung annimmt, die mit einem solchen Vorhaben einhergeht. Es braucht Mut, Weitsicht und die Bereitschaft, gewohnte Pfade zu verlassen. Doch wer diesen Weg geht, kann den ländlichen Raum neu definieren: als Ort der Innovation, der Nachhaltigkeit und der digitalen Souveränität.

Informationssicherheit in IT-Netzwerken und IT-Infrastrukturen im Zeitalter von NIS2

In einer zunehmend digitalisierten Welt sind IT-Infrastrukturen längst nicht mehr nur technische Rückgrate, sondern strategische Assets. Ihre Sicherheit entscheidet über die Resilienz, Compliance und Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Die EU-Richtlinie NIS2 verschärft die Anforderungen an Cybersicherheit und zwingt Organisationen dazu, ihre IT-Architekturen nicht nur funktional, sondern auch strukturell sicher zu gestalten. Besonders im Fokus stehen dabei die physische und logische Segmentierung von Netzwerken, die sichere Gestaltung interner und externer Anbindungen und nicht zuletzt der Mensch als potenzieller Risikofaktor.

Die IT-Infrastruktur bildet das Fundament aller digitalen Geschäftsprozesse. Sie umfasst Serverlandschaften, Storage-Systeme, Netzwerkkomponenten, Virtualisierungsplattformen und zunehmend auch Cloud-basierte Dienste. Ihre Komplexität ist dabei Fluch und Segen zugleich. Einerseits ermöglicht sie Skalierbarkeit und Flexibilität, andererseits entstehen durch heterogene Systeme und Schnittstellen neue Angriffsflächen.

Ein zentrales Problem ist die mangelnde Trennung von Systemen mit unterschiedlichen Schutzbedarfen. Wenn produktive Systeme, Entwicklungsumgebungen und externe Schnittstellen unzureichend voneinander isoliert sind, kann ein einzelner kompromittierter Endpunkt zur Eskalation im gesamten Netzwerk führen. Die Infrastruktur muss daher nicht nur leistungsfähig, sondern auch strukturell sicher konzipiert sein, mit klar definierten Zonen, Zugriffspfaden und Kontrollmechanismen.

Die Segmentierung von Netzwerken ist eine der wirksamsten Maßnahmen zur Begrenzung von Schadensausbreitung. Sie unterteilt das Netzwerk in logisch getrennte Bereiche, die jeweils eigene Sicherheitsrichtlinien und Zugriffskontrollen besitzen. Dies kann über VLANs, Firewalls, Mikrosegmentierung oder softwaredefinierte Netzwerke (SDN) erfolgen.

Separierung geht noch einen Schritt weiter. Sie trennt kritische Systeme physisch oder durch dedizierte Infrastrukturkomponenten. Beispielsweise sollten Steuerungssysteme in der Industrie (Operational Technology, OT) niemals direkt mit dem Office-Netzwerk oder dem Internet verbunden sein. Auch Backup-Systeme und Identity-Management-Plattformen verdienen eine isolierte Umgebung, um im Ernstfall als letzte Verteidigungslinie zu fungieren.

Die Anbindung externer Systeme, etwa über das Internet, VPNs oder Cloud-APIs, ist unverzichtbar für moderne Geschäftsprozesse. Gerade in Zeiten der immer mehr aufkommenden Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten sollen firmeninterne Dienste von überall für die Mitarbeiter erreichbar sein. Gleichzeitig stellt diese Anbindung ein erhebliches Risiko dar. Jeder externe Zugang muss als potenzieller Angriffsvektor betrachtet und entsprechend abgesichert werden. Dies umfasst Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Kommunikation, Authentifizierung über MFA und Zertifikate. Traffic-Inspection und Intrusion Detection, Zugriffsmanagement mit Least-Privilege-Prinzip und vieles mehr.

Auch interne Verbindungen im LAN sind nicht per se sicher. Ein kompromittierter Client kann sich über ungesicherte Protokolle oder offene Ports Zugang zu sensiblen Systemen verschaffen. Daher müssen auch interne Netze segmentiert und überwacht werden, etwa durch Network Access Control (NAC), interne Firewalls und kontinuierliches Monitoring.

Die Herausforderung liegt in der Balance: Die Infrastruktur muss performant und flexibel bleiben, darf aber keine Sicherheitslücken durch übermäßige Offenheit oder fehlende Trennung aufweisen.

Neben technischen und strukturellen Maßnahmen bleibt der Mensch einer der größten Unsicherheitsfaktoren in der Informationssicherheit. Fehlkonfigurationen, unachtsames Verhalten, Phishing-Angriffe oder das Teilen sensibler Informationen über unsichere Kanäle sind häufige Ursachen für Sicherheitsvorfälle und oft nicht durch Technik allein zu verhindern.

Gerade im Kontext von NIS2 wird deutlich, dass Sicherheitsbewusstsein auf allen Ebenen der Organisation verankert sein muss. Awareness-Schulungen sind daher essenziell. Sie sensibilisieren Mitarbeitende für aktuelle Bedrohungen, vermitteln korrektes Verhalten im Umgang mit IT-Systemen und fördern eine Sicherheitskultur, die über technische Maßnahmen hinausgeht.

Moderne Awareness-Programme setzen auf interaktive Formate, simulierte Phishing-Kampagnen, Rollenspiele und regelmäßige Updates zu neuen Angriffsmethoden. Sie sollten nicht als einmalige Maßnahme verstanden werden, sondern als kontinuierlicher Prozess, der mit der technischen Entwicklung Schritt hält.

Die NIS2-Richtlinie fordert explizit Maßnahmen zur Netzwerksicherheit, Segmentierung und Kontrolle von Schnittstellen, aber auch zur Schulung und Sensibilisierung von Mitarbeitenden. Unternehmen müssen nachweisen, dass sie Risiken systematisch identifizieren und durch technische sowie organisatorische Maßnahmen minimieren.

Hierzu stehen Maßnahmen zur Verfügung wie Zero-Trust-Architekturen, die jede Verbindung verifizieren, Netzwerksegmentierung nach Schutzbedarf, Sicherheitskonzepte für externe Anbindungen, Monitoring und Logging pro Segment, Awareness-Schulungen und Sicherheitsrichtlinien für Mitarbeitende und nicht zuletzt Notfallpläne für Infrastrukturkomponenten.

Diese Anforderungen sind nicht nur regulatorisch relevant, sondern auch technisch und kulturell sinnvoll. Sie fördern eine Sicherheitskultur, die nicht auf Reaktion, sondern auf Prävention setzt.

Die Sicherheit einer IT-Infrastruktur hängt nicht allein von Tools oder Firewalls ab, sondern von ihrer strukturellen Gestaltung und dem Verhalten der Menschen, die sie nutzen. Segmentierung, Separierung, kontrollierte Anbindungen und kontinuierliche Awareness-Schulungen sind essenzielle Bausteine einer resilienten Architektur. NIS2 macht deutlich, wer seine Infrastruktur nicht strukturiert absichert und seine Mitarbeitenden nicht sensibilisiert, gefährdet nicht nur Daten, sondern auch Geschäftsprozesse, Reputation und kann Unternehmen, je nach Intensität eingetretener Zwischenfälle, bis zur Geschäfstaufgabe schädigen..

MVZ-Projekt in Birstein: Rechtlich genehmigungspflichtig – ethisch sensibel

In unserer Gemeinde sorgt derzeit ein geplantes Bauprojekt für Diskussionen. Ein Mitglied der Gemeindevertretung, zugleich als Bauunternehmer tätig, plant den Bau eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). Die Gemeinde soll das Vorhaben durch eine langfristige Mietsicherung unterstützen. Doch rechtlich wie ethisch wirft das Vorhaben Fragen auf.

Rechtlich ist die Lage eigentlich eindeutig. Nach § 77 Abs. 1 Satz 2 der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) ist klar geregelt: Verträge zwischen der Gemeinde und einem Gemeindevertreter – gleich welcher Art – bedürfen der ausdrücklichen Genehmigung durch die Gemeindevertretung. Ausnahmen gelten nur für Geschäfte nach feststehenden Tarifen oder für unerhebliche Verwaltungsvorgänge. Beides trifft auf das MVZ-Projekt nicht zu.

Ein Mietvertrag über ein MVZ ist ein nicht unbedeutendes Rechtsgeschäft mit erheblicher Tragweite für die Gemeinde. Eine Entscheidung allein durch den Gemeindevorstand – wie zunächst diskutiert – wäre nicht rechtskonform. Ohne Genehmigung durch die Gemeindevertretung wäre der Vertrag schwebend unwirksam.

Darüber hinaus stellen sich allerdings auch ethische Fragen.

Ein Gemeindevertreter, der zugleich wirtschaftlich vom Projekt profitiert, könnte in Entscheidungsprozesse involviert sein, die seine eigenen Interessen berühren. Nicht nur das, es entstehen auch Einblicke in Projekte und Prozesse die nicht unmittelbar mit dem Vorhaben zu tun haben. Auch hier hat ein Gemeindevertreter Einblicke in Details, die einem potentiellen Mitbewerber nicht zugänglich sind. Solche Details könnten Entscheidungen maßgeblich beeinflussen.

Es geht nicht nur um Recht, sondern auch um Vertrauen. Die Bürgerinnen und Bürger müssen sicher sein können, dass Entscheidungen im Rathaus dem Gemeinwohl dienen und nicht den Interessen Einzelner mit tiefen Einblicken in Informationen zu Hintergründen, mittelbare und unmittelbaren Entscheidungen, Prozessen, Finanzierungen und vielem mehr..

Selbstverständlich sind Kompromisse und Alternativen denkbar. Um das Projekt dennoch voranzubringen und gleichzeitig Transparenz und Fairness zu wahren, existieren mögliche Wege.

  • Der betroffene Gemeindevertreter könnte sich bei allen Beratungen und Abstimmungen zum MVZ-Projekt für befangen erklären und nicht mitwirken (§ 25 HGO).
  • Eine öffentliche Ausschreibung könnte sicherstellen, dass das Projekt unter fairen Bedingungen vergeben wird – auch an Dritte.
  • Die Gemeinde könnte das MVZ selbst errichten oder über eine kommunale Gesellschaft betreiben, um wirtschaftliche Abhängigkeiten zu vermeiden.

Nicht zuletzt gibt es nachweislich Unternehmer in Birstein, die ihre Räumlichkeiten bereits angeboten haben. Warum werden solche Tatsachen ignoriert?

Das geplante MVZ ist zweifellos ein wichtiges Projekt für die medizinische Versorgung in Birstein. Doch gerade weil es um viel geht – finanziell, politisch und gesellschaftlich – ist ein transparentes, rechtlich einwandfreies und ethisch sauberes Vorgehen unerlässlich.

Die Gemeindevertretung ist nun gefordert, mit Augenmaß und Verantwortung zu entscheiden.